Manuel Atug
Naja, also warum gibt es PCI DSS?
Weil die Händler eben sehr viel Schindluder mit den Kartendaten gemacht haben.
Die haben auch beispielsweise bei den E-Commerce-Transaktionen die sogenannte
CVV oder CVC2 gespeichert.
Das ist die dreistellige Nummer, die hinten drauf ist, die man abfragt,
wenn man eine Online-Transaktion macht. Das ist eine Kartenprüfnummer,
also eine Prüfnummer zu sagen, du hast physisch die Karte in der Hand.
Diese dreistellige Nummer ist nicht auf dem Chip, ist nicht auf dem Magnetstreifen.
Wenn du die ablesen kannst, dann hast du die Karte physisch in der Hand.
Es steht in allen Standards und Sicherheitsprotokollen und Informationen,
die jemals von Visa, Mastercard und sonst wem rausgegeben wurden,
niemals, nie, nicht, unter keinen Umständen speicherst du diese Prüfziffer. Nie.
Nicht. Nein. Pfui aus. Ich habe
knapp 20 Jahre lang PCI-DSS-Beratung und Auditierung weltweit gemacht.
Ich habe so oft Kartenprüfnummern in den Datenbanken liegen sehen,
wo sogar die Tabelle einfach schon oder die Spalte einfach CVV hieß oder CVC.
Einfach damit man direkt weiß, diese dreistellige Nummer ist genau die,
die du haben willst, um einkaufen zu gehen, weil du sagst, hier ist die Kartennummer,
hier ist die dreistellige Nummer. damit hast du quasi die Kreditkarte von jemandem in der Hand.
Wenn also das alles über Jahre sehr extrem passiert ist, ist natürlich das Vertrauen
in die Zahlungssysteme immer weniger geworden.
Deswegen hatten Visa, ich glaube Visa war 2002 und Mastercard 2003,
haben die dann die Vorläufer der Sicherheitsprogramme von PCI DSS ins Leben gerufen.
Da haben sie gesagt, okay, wir müssen die Leute auditieren und wir müssen von
außen Security Scans machen, ob die irgendwie überhaupt halbwegs sichere Systeme betreiben.
Ich meine, bei kritischen Infrastrukturen ist es nicht anders.
Ich sehe sehr, sehr oft archäologisch wertvolle Betriebssysteme,
die irgendwie im Internet immer noch angedockt sind oder betrieben werden.
Kann man machen, ist dann aber auch kacke. Die Zahlungssysteme haben dann gesagt,
nee, wir scannen das jetzt und haben bestimmte Vorgaben, weil wer mit unseren
Kartennummern rumfummelt, fummelt ja auch mit dem Geld unserer Kunden und vor
allem auch mit unserer Vertraulichkeit und mit unserem, naja, Achtung, Seriosität.
Deswegen haben die halt gesagt, Händler, die nicht verstanden haben, was sie da tun,
sind ein richtig großes Bedrohungsszenario für das gesamte Öko-Infrastruktursystem
bargeldloser Zahlungsverkehr, aber vor allem natürlich auch für die Marktmacht
von Mastercard, Visamex und so weiter, machen wir uns nichts vor.
Und dann haben sie halt gesagt, okay, wir werden jetzt dieses Programm aufsetzen,
wir werden das gemeinsam machen mit anderen Bezahlsystemen, also Dynos,
Discover, JCB und so alles dabei.
Und die haben gesagt, jo, also Händler und all ihre komischen Dienstleister
machen jetzt entweder so richtig Sicherheit mit Krypto mitkümmern,
mit technisch verstehen oder sie nehmen Dienstleister, der das für die macht
und der nimmt dann vielleicht ein paar Euro mehr oder ein paar Dollar mehr.
Aber der hat verstanden, was er zu tun hat, denn er wird ja dann geprüft.
Jetzt gibt es natürlich billige Audits, ahnungslose AuditorInnen,
Tod und Teufel, aber insgesamt muss man schon sagen, machen die ganz schön viel
Druck und ganz schön viel Stress und das ist auch immer mehr,
ich sag mal, nach oben eskaliert.
Da sind große Konzerne, die Prüfer waren, wirklich deregistriert worden,
weil die einfach scheiße geprüft haben.
Es sind Unternehmen bankrott gegangen, weil sie einfach als Dienstleister unseriös
gearbeitet haben und dann hochgenommen wurden und die Zahlungssysteme gesagt
haben, so schlecht achtet ihr auf die Kartendaten unserer Kunden und auch der Händler.
Okay, wir klemmen euch vom Visa- und Mastercard-Netz ab. Ihr macht gar keine
Transaktion mehr mit uns.
Und in dem Moment kannst du als Bezahldienst, Nessart Party,
kannst du deinen Laden zumachen. Und genau solche Insolvenzen sind passiert.
Und damals, als das kam...
Habe ich noch gesagt, das wird eine ganz schöne Verschiebung bewirken.
Viele Händler werden selber die Kartendaten nicht mehr speichern,
verarbeiten, übermitteln.
Die werden Dienstleister nehmen. Wir werden eine Marktkonsolidierung erleben.
Und genau das ist eingetreten, weil diejenigen, die gesagt haben,
das ist alles so viel, ich verstehe das nicht, das ist ja doof oder mimimi,
ja, dann geh weg und verarbeite einfach keine Kartendaten mehr.
Schnapp den Dienstleister, der es verstanden hat. Das hat eine Weile ganz gut funktioniert.
Jetzt ist aber die nächste Evolutionsstufe, dass man genau solche kruden Anbindungen
hat und die Angreifer natürlich gesagt haben, ja geil, ich mache Man-In-The-Middle
in all diesen kaputten Implementierungen und greife dann halt davor an.
Es gibt Parallelenzeug-Chat-Kontrolle.
Man wollte die Daten mitlesen, dann wurde immer mehr verschlüsselt und dann
hat man gesagt, naja, bevor die dann verschlüsselt werden, greifen wir sie ab.
Im Endeffekt machen die Bezahldienstangreifer nichts anderes.
Die greifen das dann davor ab, nämlich bei der Behörde beispielsweise und sagen,
hier, liebe Kommune, du hast einfach mal eine 3,50 Euro Webseite aufgesetzt
und von da aus geht der Bezahlprozess los.
Ja, geil, dann bedienen wir uns einfach an dieser Stelle.
Das ist Supply Chain und schwächstes Glied in der Kette. Und genau das versuchen
die Zahlungssysteme gerade wieder zu unterwandern und zu unterbinden und zu sagen,
können die Ahnungslosen mal aufhören, mit den Kartendaten zu arbeiten oder den
Prozess einzuspeisen, weil inzwischen schon die Einspeisung des Prozesses unterwandert wird.
Und dann muss ich dazu sagen, ausnahmsweise mal richtig gedacht.
Ja, das finde ich gut. Also gut.